Über das Europahaus Wien
Die Liegenschaft in der Linzer Straße 429, 1140 Wien mit allen historischen Gebäuden befindet sich im Eigentum der Republik Österreich und wird von der gemeinnützigen NGO ÖJAB als „ÖJAB-Europahaus Dr. Bruno Buchwieser“ genutzt. Einen Teil der Anlage gibt die ÖJAB an ihr Tochterunternehmen Europahaus Wien GmbH weiter, damit dieses Unternehmen mit seinem Know-how das soziale Werk der gemeinnützigen ÖJAB unterstützt.
Die Europahaus Wien GmbH betreibt das Hotel und Tagungshaus, die ORANGERIE, das SCHLOSS Miller-Aichholz, das Restaurant Europahaus und nützt auch Teile der Parkanlage. Sie bringt dabei ihre jahrzehntelange gastgewerbliche Erfahrung ein und pflegt das Areal genauso wie die historische Tradition der Anlage. Neben der einfühlsamen Instandhaltung setzt sie gleichzeitig zukunftsweisende Innovationen um. Die HOTELzimmer wurden bis April 2018 renoviert. Die ORANGERIE wurde 2017 und das SCHLOSS Miller-Aichholz 2022 renoviert.
Die Gesellschafterin ÖJAB (Österreichische JungArbeiterBewegung) ist eine der größten gemeinnützigen Heimträgerorganisationen Österreichs und bietet 4.800 Wohnplätze für junge und alte Menschen an. Auf einem weiteren Teil des Areals betreibt die ÖJAB das Studierendenwohnheim „ÖJAB-Europahaus Dr. Bruno Buchwieser“, in dem junge Talente aus Österreich und allen Teilen der Welt miteinander leben und lernen.
Darüber hinaus unterstützt die parteipolitisch und konfessionell unabhängige ÖJAB jährlich 1.400 überwiegend sozial benachteiligte Jugendliche und Erwachsene und geflüchtete Menschen auf ihrem Bildungsweg, qualifiziert sie für den Arbeitsmarkt und beteiligt sich an europäischen Bildungsprojekten. In Burkina Faso führt sie Projekte der Entwicklungszusammenarbeit durch. In Österreich beschäftigt die ÖJAB an 43 Standorten 820 hauptamtliche Mitarbeiter:innen und über 200 Freiwillige.
Der Name der Anlage erinnert an den Gründer und langjährigen Präsidenten der ÖJAB, Dr. Bruno Buchwieser (1919–1993). Mehr zur ÖJAB finden Sie hier: www.oejab.at
Geschichte der Schlossanlage

Die Geschichte der Schlossanlage beginnt mit Johann Georg von Grechtler, einem Mann, der im 18. Jahrhundert Karriere machte. Vom einfachen Fuhrmann zum Heereslieferanten und Leiter des Fuhr- und Proviantwesens der Rheinarmee brachte er es und bekam um 1750 das hier bestehende Anwesen von Kaiserin Maria Theresia geschenkt. Er ließ sich hier nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach ein Jagdschloss errichten.
Durch die Erben Grechtlers gelangte die Schlossanlage in den Besitz einer Fürstin Esterházy, geb. Prinzessin Liechtenstein, deren Wappen sich heute noch an der Gartenfront des Schlosses befindet. Nach deren Tod ging der Besitz in die Hände der Grafen Paul und Nicolaus Esterházy über, denen das Jagdschlösschen mehr als 100 Jahre als Sommersitz diente. Die im Norden des Schlosses angrenzenden Teile der Wienerwaldberge (Wolfersberg und Bierhäuslberg) waren als Jagdrevier sehr attraktiv. Dort erlegte 1846 Erzherzog Franz Karl von Österreich den letzten Wolf des Wienerwalds.
Schließlich erwarb es 1894 Dr. Heinrich Ritter von Miller zu Aichholz, in dessen Familienbesitz es bis 1938 blieb. Es folgte eine schwere Zeit für das Schloss. Dr. Heinrich Miller-Aichholz verkaufte es an die deutsche Polizei; die Nationalsozialisten machten daraus ein Erholungsheim für ihre Beamten. Von 1945 bis 1955 befand sich dann ein Hochkommissariat der französischen Besatzungstruppen darin. In dieser Zeit wurden Fresken im Inneren schwer beschädigt und übermalt.
Nach dem Abschluss des Staatsvertrages ging das SCHLOSS ins Eigentum der Republik Österreich über und die ÖJAB – die Österreichische Jungarbeiterbewegung nutzte die Anlage als Internat für junge Arbeiter. So wurde sie vor Zerstörung und Verfall bewahrt.
Gemeinsam mit der Republik Österreich gründete die ÖJAB 1956 die Österreichische Europahausgesellschaft m.b.H. und etablierte im SCHLOSS das Europahaus Wien als europäische Bildungsstätte. Sie wurde zu einem Pilgerort für Diskussionen über Sachthemen vollkommen abseits jeglicher Parteipolitik. Leopold Figl, Dr. Bruno Kreisky oder Dr. Rudolf Kirchschläger zählen zu den zahlreichen namhaften Personen, die im Europahaus zu Gast waren.
Später umbenannt in Europäische Akademie wurde das Europahaus Wien Mitglied der Internationalen Föderation der Europahäuser. Zeitgleich entstanden Anfang der 1960er Jahre, unter Regie der ÖJAB, neue Wohngebäude im SCHLOSSpark, die bis 1999 als „Studentenheim Europahaus“ betrieben wurden. Nach dem Abriss dieser Wohngebäude errichtete die ÖJAB bis 2001 fünf neue Gebäude an selber Stelle und gab der Anlage den Namen „ÖJAB-Europahaus Dr. Bruno Buchwieser“. Eines der Gebäude wird heute von der Europahaus Wien GmbH als Hotel genützt, die anderen als Studierendenheim. Heute wie damals ist das Europahaus Wien internationale Stätte der Begegnung und Bildungsinstitut zugleich – ein Ort der Geschichte und zugleich ein Ort des Lernens für die nächste Generation.
Im Westteil des großen Parks liegt ein eingeschossiges Wirtschaftsgebäude, das heutige „RESTAURANT Europahaus“. Das Gewächshaus, die ORANGERIE, an der Umfriedungsmauer stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jh. und ist sehr gut erhalten. Im gepflegten Park stehen etliche alte Bäume, die zu Naturdenkmälern erklärt wurden.
DAS SCHLOSS INNERE
Das hohe Hauptgeschoß wird durch flache Lisenen gegliedert. Ein überhöhter Mittelrisalit springt leicht vor. Eine auf starken Pfeilern ruhende Freitreppe (Ende 18. Jh.) ist dem darin befindlichen Festsaal vorgelagert. Über seinen drei großen Rechteckfenstern sind ovale Ochsenaugen angeordnet. Der darüber liegende Dreiecksgiebel des Mittelrisalits ist mit einer Wappenkartusche geschmückt. Im Erdgeschoß sind südseitig Speiseräume und nordseitig Küchen- und andere Nebenräume untergebracht. Im Obergeschoß liegen die gartenseitig orientierten Repräsentationsräume (Großer Saal, Napoleon Saal, Prinz Eugen Saal, Maria Theresien Zimmer).
Hier haben sich einige originale Kachelöfen mit zartem Rocailledekor erhalten. Auch der Großteil der einstigen Gemäldesammlung ist noch vorhanden. Der große Saal ist mit Jagdmotiven und Blumengirlanden freskiert.